
Wir haben das Falsche aus den richtigen Gründen getan.
- Unabhängig sein
Bevormundung ist jener Akt, durch den wir Verantwortung für andere Menschen übernehmen und Verantwortung für uns selbst vernachlässigen. Wenn wir uns instinktiv für die Gefühle, Gedanken, Entscheidungen, Probleme, das Wohlbefinden und das Schicksal anderer verantwortlich fühlen, sind wir Bevormunder. Auf einer unbewussten Ebene glauben wir, andere seien für unser Glück verantwortlich, so wie wir uns für ihres verantwortlich fühlen.
Es ist erstrebenswert, ein aufmerksamer, liebevoller, fürsorglicher Mensch zu sein. Andere zu bevormunden bedeutet jedoch, sich selbst bis zu einem Punkt zu vernachlässigen, an dem man sich als Opfer fühlt. Zudem schließt diese Bevormundung Formen der Fürsorge mit ein, durch die andere daran gehindert werden, Eigenverantwortung zu übernehmen. Das funktioniert nicht: verletzt die anderen; verletzt uns; erzeugt Wut. Die Menschen fühlen sich gekränkt, benutzt und schikaniert.
Wenn wir verantwortung für uns selbst übernehmen – für das, was wir denken, fühlen, wünschen und brauchen – , so entscheiden wir uns damit für ein Verhalten, das liebenswürdig und großzügig ist. Wir wollen ehrlich zu uns selbst sein und anderen die Verantwortung für ihr eigenes Leben überlassen.
(aus „Kraft zum Loslassen“ von Melody Beattie)
Man kann den Andren nur lieben, wenn man sich selbst liebt. Nicht aber, wenn man eine Marionette ist. Aber auch den anderen zu einer Marionette zu machen, ist nicht zweckmäßig und zudem oft eher ein Versuch, eigene Ängste zu überwinden: indem man nämlich den Anderen einsperrt, bevormundet. Entweder, er lässt das mit sich machen: dann wird er langweilig und es mit ihm. Oder er lässt es nicht mit sich machen: dann gibt es Streit oder Trennung.
Die eigenen Freiheiten hören dort auf, wo die des Anderen beginnen.
Schwer ist es, dies so zu akzeptieren und zu leben. Aber es führt weiter im Leben und ermöglicht Leben in seiner Fülle erst.