Vorstellungsgespräch

19 05 2007

Vorstellungsgespräch

Ich hatte gestern ein Vorstellungsgespräch bei einer Akademie. Es geht um einen Studienplatz als Redakteurin für Digital- und Printmedien. Die Studienplätze sind begrenzt und ich habe das gesamte Vorstellungsgespräch über versucht, meine Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) unter Kontrolle zu halten. Ich hatte meine bisherigen Zeugnisse und meine Mappe mit Arbeitsproben dabei und fühlte mich schon gleich zu Anfang vor den Kopf gestoßen, als mir der Leiter mitteilte, darauf würde er nicht viel Wert legen. In dieser Akademie steht der Mensch im Vordergrund… puh.

Das ist harter Tobac, wenn man sich als Mensch sein halbes Leben lang über seine Arbeiten und Zeugnisse definiert hat!

Ich bin leistungsorientiert und dank meiner Zwanghaftigkeit auch noch perfektionistisch. Ich verfüge über wenig Empathie und bisher habe ich immer nach (sehr) guten Noten gestrebt. Ich denke oft, dass ich nichts wert bin, wenn ich nicht mindestens eine „Eins“ bekomme. Eine „Zwei“ ist schon nicht mehr so toll und eine „Drei“ empfinde ich als Sch***e. (Im Grunde denke ich permanent, dass ich nicht viel kann oder wert bin – Bestleitungen und vor allem die folgende Anerkennung hilft mir, diese Gefühle der Nutzlosigkeit zu verdrängen).

Nun sitze ich also vor diesem Mann, der mich als Mensch wahrnehmen möchte und mein Verhalten beäugt. Der Drang nach Bewunderung für meine bisherigen Leistungen wächst stetig und die Unterdrückung dieser Gefühle raubt mir fast den Verstand. Das war wirklich eine schlimme Situation für mich!

Die Vorstellung, ich bekomme keinen Studienplatz auf Grund meines Charakters ist zermürbend!

Obwohl ich der Meinung bin, dass das leistungsorientierte Deutschland mehr auf den Einzelnen schauen sollte und Talent, sowie wahres Interesse und Motivation wichtiger als jede Note sind, habe ich doch Angst. Denn mein Rückschluss ist hierbei sehr simpel: versagst du als Mensch, hast du völlig verspielt! Niemand interessiert mehr deine Leistung. Wenn ich schon eine Absage erhalte, dann doch bitte auf Grund der Mankos, die ich auch wieder ausgleichen kann. Ich kann mich weiterbilden, kann meine Arbeiten verbessern und effizienter sein. Aber wie lange muss ich an mir arbeiten, um ein besserer Mensch zu werden? Und wer kann darüber überhaupt befinden? Fragen über Fragen…

Und jede Einzelne zerplatzte, als mir mein Gegenüber zum Abschluss des Gesprächs lächelnd, mit folgenden Worten die Hand reichte: „Ich würde es sehr begrüßen, Sie als Studentin bei uns aufzunehmen. Sie wären eine Bereicherung für die Studentenschaft und würden unser Bild abrunden“.

Das war Balsam für meine, nach Bewunderung schreiende Seele und weiterer Zündstoff für den Narzissten in mir. Jegliche Ängste waren erloschen und noch immer brennt das Feuer der Hochmut in mir.

Naja, eigentlich wusste ich ja, dass ich angenommen würde…


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